Freitag, 30. Oktober 2009
Am Besten klein Anfangen
Dann kam die Anfrage ob ich nicht ein Tageseminar für Gemeindeleiter halten könnte. Ich hatte gehofft, das Ganze umgehen zu können, aber diverse Umstände waren gegen mich. Ich habe es nur noch geschafft die Sache zu reduzieren. Einen halben Tag – drei Stunden.
Wie gut, dass man in Liebenzell eine Abschlussarbeit schreiben muss. In meinem Fall war das Thema: Gemeindeleitung in den Pastoralbriefen (1/2 Tim & Tit). Also hatte ich schon mal 44 Seiten intensiv ausgearbeitetes Material und musste nicht alles hier vor Ort vorbereiten – leider waren die ganzen Aufschriebe auf Deutsch.
Jetzt aber zum Eigentlichen: Der Tagesablauf
8.30 Uhr Vereinbarter Zeitpunkt zu dem wir abgeholt werden sollen
8.50 Uhr wir werden abgeholt
9.00 Uhr geplanter Beginn des Seminars
9.05 Uhr wir (District-Chairman, Britta und ich) kommen an
9.15 Uhr der erste Teilnehmer kommt
9.35 Uhr der zweite Teilnehmer kommt
9.45 Uhr wir fangen an zu singen
10.00 Uhr das Seminar beginnt mit 8 von 30 angekündigten Teilnehmern. Was mir entgegenkommt ist, dass ich übersetzt werden muss (von Englisch in Nyansha – nicht Bemba!). Das verschafft mir immer ein wenig Zeit um meine Gedanken zu sortieren, die deutschen Aufschriebe zu überfliegen und ins Englische zu übersetzen.
12.30 Uhr ich beende mein Seminar mit ca 12 Teilnehmern. Es folgt eine halbstündige Fragerunde, in der mir genau die Fragen gestellt werden, vor denen ich im Vorfeld von meinem Feldleiter gewarnt wurde (Was passiert wenn sich die Kinder nicht benehmen? Wie gehen wir mit Alkohol um? Usw. ).
13.00 Uhr Mittagspause: Hühnchen, Gemüse, Reis – das erste Mal eine scharfe Soße. Hat richtig lecker geschmeckt. Kochen können die sambischen Frauen auf jeden Fall!
14.00 Uhr zweiter Teil des Seminars. Ein einheimischer Pastor übernimmt und spricht über Hingabe in der Leiterschaft.
16. 00 Uhr geplanter Beginn der Tauffeier im öffentlichen Schwimmbad
16.10 Uhr Ende des Seminars, leichte Verwirrung, weil es mit dem Transport zum Schwimmbad Probleme gibt.
17.15 Uhr alle sind im Schwimmbad angekommen.
17.30 Uhr die Tauffeierlichkeit beginnt – im Kinderplanschbecken.
18.15 Uhr wir sind wieder aus dem Schwimmbad raus und werden nach Hause gebracht.
Wow was für ein Tag…
Montag, 19. Oktober 2009
Verschlüsselte Botschaft oder Selbsteinschätzung
Aus unserem Sprachschulalltag: Die Klasse mit den fünf fleißigen Schülern ist versammelt. Der Lehrer (Mr. Kaunda oder Patricia) steht an der Tafel und erklären irgendetwas von den vielen Dingen die wir über Bemba noch nicht wissen.
Die Tür geht auf und Mr. XY (Name von der Redaktion geändert) steht in der Tür. XY ist berüchtigt. Er kann Chibemba und er will sein Wissen an den Mann bringen. Zu dieser an sich hilfreichen Kombination kommt fataler Weise hinzu, dass er keinen Respekt vor der Autorität eines Lehrers oder dem Wunsch nach strukturiertem Lernen diverser Studenten hat. Er drängt sich also an die Tafel und fängt an zu schreiben.
Heute zwei ganz besonders wichtige Worte ohne die man im Bembaland nicht überleben kann:
Fikafundisha: respektlose Anrede für einen Lehrer
Fya cabe cabe fikafundisha (frei Übersetzt): ein nutzloser Pauker
Ca. fünf Studenten haben sich vor lachen auf den Boden geworfen und sich laut lachend den Bauch gehalten – zumindest in Gedanken. Nachdem Herr XY sichergestellt hatte, dass jeder diese Vokabel beherrscht, hat er sich auf den Weg ins nächste Klassenzimmer gemacht. Wir Schüler waren uns dann in der nächsten Pause nicht ganz einig. Wollte Herr XY damit unseren Lehrer beleidigen oder war es seine Art sich für seinen schlechten Unterricht zu entschuldigen…
Nach dieser eher humorvolleren Episode nun zum Ernst des Lebens. Britta hat wieder Schwierigkeiten mit dem Atmen. Das Cortisonspray wirkt nicht mehr so, wie es das am Anfang getan hat. Bitte betet mit uns darum, dass Britta wieder ganz gesund wird.
Freitag, 16. Oktober 2009
Aber bitte ned ganz so kurz
Da wollte ich natürlich auch nicht nachstehen. Rock brauch ich nicht, also hab ich gedacht lasse ich mir in diesem Township meine Haare schneidern.
Township ist der Ort an dem so gut wie keine Weißen aufkreuzen und Servicedienstleistungen ziemlich günstig sind.
Also haben wir uns von der (guten) Schneiderin zu einem Barber-Shop bringen lassen. Der Besitzer war gerade nicht da, also haben wir uns einfach mal hingesetzt und kurz gewartet. Nach wenigen Minuten war er da und hat seine Arbeit begonnen.
Jetzt das Wichtige. Der Preis wird im Voraus verhandelt – wenn man keine Ahnung hat was eine Leistung wert ist, dann bezahlt man bis zum fünffachen. Aber ich hatte mich erkundigt: Nicht mehr als 5 Pin – also ungefähr 80 Euro-Cent.
Er hat aber gemeint – mein Haar wäre anders, das wäre teurer. Ich hab gelacht und gesagt OK, wenn ich mit der Arbeit zufrieden bin, dann bekommt er die geforderten 10 Pin (sicherheitshalber hatte ich aber auch schon mal ne Mütze im Rucksack mit dabei).
Er hat seine Sache recht gut gemacht – nur die Absprache, "bitte ned ganz so kurz" muss auf sambisch wohl etwas anderes bedeuten als in deutschen Maßstäben.
Als mein Friseur nämlich feststellte, dass ein gerader Haarabschluss ohne Schere und freihändig gar nicht so einfach ist, hat er seine Maschine aufgesetzt und mit dem Aufsatz, der für die Seite bestimmt war einfach einmal durchgezogen. Tatsachen waren geschaffen, er hat sein Werk vollendet, mein Haar liebevoll mit Methanol eingepinselt und war am Schluss sogar noch zu einem Gruppenfoto bereit:
Immerhin: Er hat mir dann versprochen, beim nächsten Mal bekomme ich dann auch einen Freundschaftspreis
Dienstag, 13. Oktober 2009
Praktizierte Assimilation
Aber die Röcke, die sich Britta hat nähen lassen waren 1a. Sieht richtig gut aus:
Als Herausforderung für deutsche Shopping-Einzelkämpferinnen: Britta hat ihrer vier individuell angefertigten Röcke für insgesamt 24 Euro bekommen (inklusive Unterfutter)
Donnerstag, 8. Oktober 2009
Das ham wir uns verdient ...
Hope und Paul sind „alte“ Vertraute. Sie haben mit uns auch schon den Kurs für Sambia-Neuankömmlinge gemacht. Eine nette Gruppe und auch unsere Lehrer sind soweit ganz gut – sie sind sich nur noch nicht ganz einig wie der Unterricht ablaufen soll und was in welcher Reihenfolge unterrichtet werden soll – aber das wird sich schon noch einspielen.
Nach der ersten Woche haben wir uns selbst belohnt. Britta hat einen riesigen Lappen Rindfleisch in die Pfanne geworfen (nachdem wir ab 19.30 Uhr wieder Strom hatten). Dazu gab’s dann noch Nudeln und Tomaten. Als Vorspeise gab es – wegen dem Stromausfall - leicht angetautes Schokoeis.
Heute haben wir einen neuen Kurzzeitler am Flughafen abgepasst. Er hat Medizin für Britta mitgebracht. Mit diesem Spray sollten die Atembeschwerden entgültig erledigt sein.Herzlichen Dank für alle Gebete – wir hoffen, dass Britta in der Regenzeit dann dieses Spray vielleicht auch noch absetzten kann und es mit dem Atmen wieder ganz normal wird.
Samstag, 19. September 2009
Muli shani?
Die ersten Wochen sind wie im Flug vergangen. Wir haben bei unserem Feldleiter Michael Pflaum und seiner Frau Bärbel im Gästehaus logiert. Sie haben es uns ermöglicht hier in aller Ruhe anzukommen und uns zu akklimatisieren. Schade nur, dass der sambische Boden etwas uneben ist, das hat mir beim ersten Fußballspiel einen Bänderriss eingebracht. Viel problematischer ist aber, dass Britta immer wieder mit dem Atmen Probleme hat. Mal ist alles gut und dann bekommt sie nur sehr schwer Luft – aber das Asthmaspray hilft bisher sehr gut. Bitte betet für Britta!
Wir leben nun auf dem Gelände einer Bibelschule am Stadtrand von Lusaka. Wenige Kilometer Entfernt ist FENZA (Faith and Encounter Center – Glaubens- und Begegnungszentrum). Eine Einrichtung der katholischen Kirche. Dort bekommen wir unter der Leitung von Vater Bernhard (aus Deutschland) eine Einführung in sambische Geschichte, Politik und Kultur. Nach den ersten zwei Wochen werden wir dann für zehn Wochen bei FENZA einen Bemba-Sprachkurs belegen.
Der erste Kurs bringt viele neue Erfahrungen. Aber auch die Gruppe ist sehr lustig. Eine italienische Nonne, Priester aus Nigeria, Tansania, Polen, Kongo, ein Pater der unter seiner grauen Kutte gut und gerne 3 Zentner verbirgt, eine Österreicherin, die ein soziales Jahr leistet, eine Missionarin einer Pfingstgemeinde aus Texas und mittendrin ein Liebenzeller Missionarsehepaar aus Deutschland.
Die Krönung unserer Gruppe ist die Frau eines Botschafters, die jeden Morgen von ihrem Chauffeur mit einem Mercedes vorgefahren wird.
Wir reisen da eher Landestypisch: Gemeinsam mit ca. 18 anderen Passagieren in einem Minibus. Das kostet dafür aber auch deutlich weniger…
Bitte betet für gute Begegnungen mit unseren Nachbarn auf dem Gelände der Bibelschule und um gute Gespräche mit den anderen Kursteilnehmern. Wir sind dankbar für unser schönes Häuschen und dass wir nach drei Tagen sogar wieder warmes Wasser genießen dürfen. Wir sind einfach noch ziemliche Weicheiermissionare…
Michael Pflaum zeigt bei seinen Evangelisationen in Abschnitten den Jesus-Film und predigt anschließend über den Inhalt des Films.
Alltag in Sambia: Ein Lastwagen wird dort repariert wo er kaputt geht - das kann dann schon mal ein paar Tage dauern.
Unser Zuhause für die nächsten 11 Wochen. Wir wohnen mitten unter Bibelschulstudentenfamilien - einige davon sprechen Bemba.
Wir könnten dirket vor der Haustür jeden Tag eine Kinderstunde halten. Laufend stehen Kinder vor den Fenstern und schauen nach was die Musungus (Weißen) so machen.
Samstag, 29. August 2009
Ankommen in Sambia
So sah Lusaka beim Anflug in der Morgendämmerung aus:
Der Weiterflug war privater Natur. Michael Pflaum hat uns abgeholt und uns damit eine 6-stündige Busfahrt erspart.
Die jüngsten Mitbewohner im Hause Pflaum haben es Britta besonders angetan:
Gestern waren wir dann das erste Mal auf Tour. Wir haben in Ndola mein Arbeitsvisum abgeholt. Das Mushili-Projekt ein wenig kennen gelernt und wir wurden dem Kirchenvorstand vorgestellt.
Beim Frühstück haben Michael Pflaum und ich uns darüber unterhalten, dass man manchmal auch spontan Predigen muss, wenn man irgendwo hinkommt. Das wurde dann auch gleich praktisch: Durch eine kleine Gesundheitspanne waren Britta und ich die einzigen die heute Morgen zur Verfügung standen um eine Jungschar zu halten. Also durften wir spontan einspringen und mit ca. 30 Kindern den Vormittag verbringen - dank Übersetzter kein Problem. Ich weis nur nicht was er den Kindern erzählt hat...






